Fast jeder in Deutschland kennt den Begriff Fake News. Aber Deepfakes? Das ist eine andere Geschichte. Während 96 Prozent der Bevölkerung wissen, was bewusst falsche Nachrichten sind, kennen lediglich rund 34 Prozent den Begriff Deepfake – also KI-generierte Bilder, Videos oder Audiodateien, die täuschend echt wirken und reale Personen in erfundenen Situationen zeigen. Das zeigt eine repräsentative Studie der IU Internationalen Hochschule, die im Herbst 2025 veröffentlicht wurde und nun durch aktuelle Ereignisse neue Aufmerksamkeit bekommt.
Der Anlass: Die Debatte um den KI-Chatbot Grok
Anfang 2026 leitete die EU-Kommission ein Verfahren nach dem Digital Services Act gegen die Plattform X ein. Der Grund: Der auf X verfügbare KI-Chatbot Grok ermöglicht es Nutzern, in kurzer Zeit fotorealistische Bilder zu erzeugen, darunter auch sexualisierte Darstellungen echter Personen, ohne deren Einwilligung. Der Fall verdeutlicht, wie niedrig die technischen Hürden für die Erstellung solcher Inhalte inzwischen geworden sind – und wie dringend eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist.
Was die IU Studie zeigt
Für die Untersuchung „Fakt oder Fake? Medienkompetenz in Deutschland“ befragte die IU knapp 2.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren, repräsentativ nach Alter und Geschlecht. Die Ergebnisse zeichnen ein beunruhigendes Bild:
- 15 Prozent der Befragten gaben an, bereits einmal auf einen Deepfake hereingefallen zu sein – ohne es zunächst zu merken.
- Von diesen berichten 46 Prozent, dass der Vorfall bei ihnen Stress oder Angst ausgelöst hat. Fast 18 Prozent gaben an, darüber in Streit geraten zu sein.
- Bei klassischen Fake News ist die Quote sogar noch höher: 33 Prozent der Befragten haben schon einmal eine Falschinformation geglaubt, die sich später als unwahr herausstellte.
- Jüngere Altersgruppen kennen den Begriff Deepfake häufiger – die Wissenslücke bei Älteren ist jedoch besonders groß.
- 84,8 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass KI-gestützte Tools die Verbreitung von Falschinformationen in Zukunft weiter verschärfen werden.
Wer soll das Problem lösen?
Die Verantwortung sehen die Befragten vor allem außerhalb von sich selbst: 65 Prozent nennen die Betreiber sozialer Plattformen als Hauptverantwortliche im Kampf gegen Desinformation, 63 Prozent die Politik. Dass Medienkompetenz auf individueller Ebene die entscheidende Schutzebene ist, betont IU-Professorin Prof. Dr. Nele Hansen, die die Studie begleitet hat: Ob Menschen Informationen einfach konsumieren oder sie kritisch einordnen, hänge maßgeblich von ihrer eigenen Medienkompetenz ab.
Was hilft gegen Deepfakes im Alltag?
Die IU hat zur Studie ein begleitendes Video veröffentlicht, in dem Prof. Dr. Hansen konkrete Prüfschritte erklärt – von der Quellenüberprüfung über Faktenchecks bis hin zu technischen Erkennungsmerkmalen bei manipulierten Bildern und Videos. Wer regelmäßig Nachrichten und Social-Media-Inhalte konsumiert, tut gut daran, diese Routinen zu verinnerlichen.
