Die FernUniversität in Hagen ist längst keine Nischeninstitution mehr. Mit aktuell rund 80.000 eingeschriebenen Studierenden ist sie die größte staatliche Universität Deutschlands – und sie wächst. Besonders auffällig: Immer mehr junge Menschen entscheiden sich bewusst für das Fernstudienmodell. Laut Rektor Prof. Dr. Stefan Stürmer stellen die unter 25-Jährigen inzwischen die stärkste Gruppe unter den Neueinschreibungen.
Das ist ein bemerkenswerter Wandel. Fernstudium galt lange als Modell für Berufstätige mittleren Alters, die einen Abschluss nachholen wollen. Dass es heute auch für jüngere Studierende attraktiv ist, spricht für die gewachsene Akzeptanz digitaler Lernformen und möglicherweise auch dafür, dass Flexibilität im Studium inzwischen höher bewertet wird als Campus-Atmosphäre.
2026: KI als strategisches Thema in Lehre und Verwaltung
Die FernUniversität Hagen geht in das neue Jahr mit einem klaren digitalen Entwicklungsziel: Künstliche Intelligenz soll nicht nur im Lehr- und Lernbetrieb eine größere Rolle spielen, sondern auch in den Verwaltungsprozessen der Hochschule. Papierbasierte Abläufe sollen dabei weitgehend der Vergangenheit angehören.
Gleichzeitig betonen Rektor und Kanzler, dass KI an der FernUni nicht unkritisch eingeführt wird. Der Anspruch ist ausdrücklich ein reflektierter: Technologie soll Prozesse verbessern, nicht einfach nur modernisieren. Dieses Bewusstsein zieht sich durch die gesamte KI-Strategie der Hochschule.
Konkret wurde die FernUni hier bereits aktiv: Über das NRW-Landesportal KI:Connect können alle Studierenden seit Herbst 2025 kostenlos und datenschutzkonform auf generative KI-Tools zugreifen – darunter Open-Source-Modelle wie Llama. Die Verarbeitung erfolgt über europäische Server, ohne dass persönliche Nutzerdaten gespeichert werden. Ergänzt wird das Angebot durch einen eigenen Kurs „Lernen mit KI“, der Studierenden zeigt, wie KI-Tools sinnvoll im Studienalltag eingesetzt werden können.
Auch in der Forschung ist die FernUni im KI-Bereich inzwischen international sichtbar: Das Lehrgebiet Künstliche Intelligenz rund um Prof. Dr. Matthias Thimm war bei der renommierten Konferenz für Wissensrepräsentation und Reasoning (KR) in Melbourne Ende 2025 mit sieben akzeptierten wissenschaftlichen Arbeiten vertreten. Eine der stärksten Präsenzen weltweit in diesem Teilgebiet der KI-Forschung.
Campusstandorte auf dem Prüfstand
Ein weiteres Thema, das die Hochschule intern beschäftigt, ist die Frage nach den physischen Standorten. Deutschlandweit unterhält die FernUniversität derzeit 13 Campus-Standorte. Deren Zukunft wird aktuell kritisch hinterfragt, denn nicht alle davon werden langfristig gebraucht, wenn Studium und Verwaltung zunehmend vollständig digital abgewickelt werden.
Gleichzeitig möchte sich die Hochschule aber nicht aus dem lokalen Leben verabschieden. Im Gegenteil: Die FernUni setzt bewusst darauf, sich in die Hagener Stadtgesellschaft einzubringen. Ein Instrument dafür sind die sogenannten Politischen Salons, das sind Veranstaltungsformate, bei denen gesellschaftlich relevante Themen öffentlich diskutiert werden. Für 2026 sind bereits zwei Ausgaben geplant: eine zum Thema Rückkehr zur Wehrpflicht und eine zur Frage der Hagener Stadtidentität.
Mehr Informationen zum Studienangebot und zur Einschreibung gibt es auf der offiziellen Website: www.fernuni-hagen.de
