Das Fernstudium ist längst keine Ausnahme mehr, sondern für viele eine realistische Alternative zum klassischen Präsenzstudium geworden. Aber auch 2026 stellt sich immer noch die entscheidende Frage: Wie gut sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt damit?
Fernstudium im Jahr 2026: Kein Exot mehr
Das Bild des isolierten Fernstudenten ist überholt. Digitale Lernformen sind spätestens seit der Corona-Zeit fester Bestandteil des Bildungssystems und der Arbeitswelt. Remote-Arbeit, hybride Teams und Online-Weiterbildungen gehören auch in diesem Jahr wieder zum Alltag vieler Unternehmen.
Allein in Deutschland sind inzwischen deutlich über 250.000 Studierende in Fernstudiengängen eingeschrieben. Die Zahl ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Arbeitgeber kennen diese Studienform daher gut und bewerten sie nicht mehr als Sonderfall.
Ein Fernstudium wird heute vor allem als Zeichen für Eigenmotivation, Disziplin und Selbstorganisation wahrgenommen. Besonders attraktiv ist diese Studienform für Berufstätige, Quereinsteiger und Menschen, die bereits praktische Erfahrung sammeln konnten, während sie studieren.
- Mehr als 250.000 Fernstudierende in Deutschland, das sind rund 9 Prozent aller Studierenden.
- Insgesamt waren im Wintersemester 2024/2025 rund 2.871.600 Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben.
- Demografie als Treiber: Für 2026 wird erwartet, dass das Erwerbspersonenpotenzial erstmals spürbar sinkt und sich Engpässe in vielen Berufen verstärken.
- IT bleibt Engpassbereich: Es fehlen weiterhin rund 109.000 IT Fachkräfte in Deutschland, viele Unternehmen rechnen mit einer weiteren Verschärfung.
- Arbeitsmarkttrend: Für 2026 erwarten Arbeitsmarktexperten insgesamt eine stabile Beschäftigungslage, während der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in vielen Branchen weiterhin hoch bleibt.
Quellen:
– Forschung & Lehre (Destatis-Zahlen zum Fernstudium),
– IAB Prognose 2025/2026,
– Bitkom (IT Fachkräftelücke)
Chance auf Job mit Fernstudium
Der Arbeitsmarkt ist 2026 stark geprägt von Fachkräftemangel, Digitalisierung und dem demografischen Wandel. In vielen Branchen scheiden jedes Jahr mehr erfahrene Fachkräfte aus dem Berufsleben aus, als Nachwuchs nachkommt.
Gleichzeitig steigt der Bedarf an qualifizierten Spezialisten. Während einfache Tätigkeiten zunehmend automatisiert werden, bleiben komplexe Aufgaben, Analyse, Steuerung und Verantwortung weiterhin gefragt.
Fernstudiengänge sind vor allem dort gefragt, wo Wissen praxisnah angewendet werden kann und Abschlüsse klar verwertbar sind.
- IT und Digitalisierung wie Informatik, Wirtschaftsinformatik, Softwareentwicklung und Data Analytics
- Betriebswirtschaft und Management mit Schwerpunkten wie Controlling, Accounting oder Projektmanagement
- Gesundheitsmanagement und Pflegeökonomie aufgrund des anhaltenden Personalmangels
- Ingenieurwesen und technische Studiengänge, besonders in Industrie, Bau und Energie
In diesen Bereichen berichten viele Unternehmen, dass offene Stellen teils über Monate nicht besetzt werden können. Bewerber mit anerkanntem Abschluss und relevanter Berufserfahrung haben hier messbar bessere Einstiegschancen.
Konkrete Praxisbeispiele aus dem Arbeitsmarkt
Ein typisches Beispiel aus der Praxis ist der IT-Bereich. Viele Fernstudierende arbeiten bereits während des Studiums in Teilzeit als Entwickler, Systemadministrator oder IT-Consultant. Nach dem Abschluss verfügen sie häufig über zwei bis vier Jahre Berufserfahrung und steigen direkt in qualifizierte Positionen ein.
Auch im Bereich Betriebswirtschaft zeigt sich ein ähnliches Bild. Ein Fernstudent im Studiengang BWL, der parallel im Controlling oder Vertrieb arbeitet, ist nach dem Abschluss für Arbeitgeber oft attraktiver als ein Absolvent ohne praktische Erfahrung.
Im Gesundheitsmanagement wiederum nutzen viele Pflegefachkräfte das Fernstudium gezielt für den Aufstieg. Sie wechseln nach dem Abschluss beispielsweise in Leitungsfunktionen, Qualitätsmanagement oder Verwaltung und verbessern damit sowohl ihre Position als auch ihr Einkommen deutlich.
Wie Arbeitgeber Abschlüsse aus dem Fernstudium bewerten
Für Arbeitgeber ist es 2026 nicht mehr entscheidend, wo jemand studiert hat, sondern was er kann und wie gut er das Wissen anwenden kann.
Ein staatlich anerkannter Bachelor oder Master aus dem Fernstudium ist formal einem Präsenzabschluss gleichgestellt. In Bewerbungsverfahren zählen Kompetenzprofile, Praxiserfahrung und Soft Skills.
In vielen Fällen punkten Fernstudierende sogar, weil sie bereits:
- mehrjährige Berufserfahrung mitbringen
- Studium und Arbeit über mehrere Jahre parallel organisiert haben
- zielgerichtet und praxisnah gelernt haben
- Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Belastbarkeit bewiesen haben
Gerade diese Eigenschaften werden von Personalverantwortlichen häufig explizit positiv hervorgehoben.
Fernstudium vs. Präsenzstudium: Ein realistischer Vergleich
| Kriterium | Fernstudium | Präsenzstudium |
|---|---|---|
| Flexibilität | sehr hoch | eingeschränkt |
| Berufserfahrung | meist parallel möglich | oft gering |
| Anerkennung am Arbeitsmarkt | hoch bei anerkanntem Abschluss | hoch |
| Netzwerk und Campusleben | gering bis nicht vorhanden | stärker ausgeprägt |
| Einstiegschancen nach Abschluss | oft besser bei vorhandener Praxis | abhängig von Praktika |
Welche Faktoren die Jobchancen wirklich beeinflussen
Ein Fernstudium allein garantiert keinen Job. Das gilt allerdings genauso für ein klassisches Präsenzstudium. Entscheidend sind vor allem:
- Studienfach und tatsächliche Nachfrage am Arbeitsmarkt
- Praxisbezug während des Studiums
- Zusatzqualifikationen wie Zertifikate, Softwarekenntnisse oder branchenspezifische Weiterbildungen
Wer sein Fernstudium gezielt nutzt, um Projekte umzusetzen, Verantwortung im Job zu übernehmen oder spezialisierte Fähigkeiten aufzubauen, hat oft sehr gute Einstiegschancen. Besonders im Vergleich zu Absolventen ohne relevante Praxiserfahrung zeigt sich hier ein klarer Vorteil.
Lohnt sich ein Fernstudium?
Ganz klar: Ja. Das Fernstudium bietet 2026 sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Voraussetzung ist ein anerkannter Abschluss, ein sinnvoll gewähltes Studienfach und idealerweise begleitende Berufserfahrung.
Vor allem für Berufstätige, Quereinsteiger und Menschen mit klaren Karrierezielen ist das Fernstudium keine Notlösung, sondern eine strategische Entscheidung, um sich langfristig bessere Jobperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten zu sichern.
