Was lange wie Zukunftsmusik klang, ist an der AKAD University Realität geworden: Eine Künstliche Intelligenz hält Vorlesungen – offiziell berufen, wissenschaftlich begleitet und rechtlich abgesichert. Mit „KI-Prof. Valters“ hat die Stuttgarter Fernhochschule Ende November 2025 ein Forschungsprojekt gestartet, das es in dieser Form europaweit noch nicht gegeben hat.
Wer – oder was – ist KI-Prof. Valters?
Hinter dem digitalen Gastprofessor steckt kein generisches KI-System, sondern ein sogenannter digitaler Zwilling: ein KI-basiertes Abbild des lettischen Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Valters Kaže von der RISEBA University in Riga. Der Senat der AKAD University hat diesen KI-Zwilling förmlich für eine Gastprofessur mit einer Laufzeit von sechs Monaten berufen.
Den Auftakt machte eine Antrittsvorlesung zum Thema Internationale Betriebswirtschaft und Marketing – übertragen als Livestream für Studierende und Journalistinnen und Journalisten. Moderiert wurde die Veranstaltung von AKAD-Rektor Prof. Dr. Tim Brüggemann, der das Projekt initiiert hat.
Kein Experiment ohne Leitplanken
Die AKAD betont ausdrücklich, dass es sich nicht um eine unkontrollierte Spielwiese handelt. Die akademische Verantwortung bleibt vollständig beim menschlichen Lehrpersonal. Die eingesetzten KI-Systeme sind dokumentiert, extern prüfbar und entsprechen den Vorgaben des EU-AI-Act. Prüfungsleistungen werden ausschließlich von Menschen bewertet. Sämtliche Inhalte, Beispiele und Antworten durchlaufen eine fachliche Kontrolle und didaktische Einordnung.
Rektor Brüggemann fasst den Anspruch des Projekts so zusammen: Nicht Ersetzen sei das Ziel, sondern Verstehen und das gemeinsame Gestalten einer Zukunft, in der KI Lernprozesse sinnvoll unterstützen kann, ohne menschliche Professuren überflüssig zu machen.
Eingebettet in ein internationales Forschungsnetzwerk
Das Projekt läuft nicht isoliert, sondern ist Teil des EU-geförderten Verbundprojekts FORCE AI. Darin arbeitet die AKAD University gemeinsam mit Hochschulen aus Lettland, der Türkei und den Niederlanden daran, evidenzbasierte Leitlinien für den Einsatz von KI in der europäischen Hochschulbildung zu entwickeln. Fachleute aus Didaktik, Informatik, Rechtswissenschaft und Hochschulforschung begleiten das Stuttgarter Projekt wissenschaftlich.
Auch Emil Jimenez, Gründer des Unternehmens MindBank AI, das an der technischen Umsetzung beteiligt ist, hebt die Bedeutung eines ethisch und juristisch abgesicherten Rahmens hervor: KI werde die Lehre verändern, entscheidend sei, wie dieser Wandel gestaltet werde.
Was kommt als Nächstes?
Nach Ablauf der sechsmonatigen Gastprofessur sollen die Ergebnisse in wissenschaftlichen Publikationen und didaktischen Evaluationen veröffentlicht werden. Geplant ist außerdem ein Abschlussbericht mit konkreten Empfehlungen für Hochschulen, politische Entscheider und Unternehmen. Die AKAD University versteht das Projekt als eigenständigen Beitrag zur europäischen Debatte darüber, wie KI verantwortungsvoll in der Hochschullehre eingesetzt werden kann.
Weitere Informationen sowie ein Videomitschnitt der Antrittsvorlesung sind auf der Projektseite der AKAD University verfügbar: www.akad.de/ki-professur
